Archiv für Januar 2010

25
Jan
10

Stichtag

“Es sieht halt einfach heiß aus”

Am 09.09. 2009 haben sich tausende das Jawort gegeben. Auch Jelte ist an diesem Tag einen lebenslangen Bund eingegangen. Nicht mit einer Frau, sondern mit einem Tattoo. Seit dem besagten Tag ziert der Schriftzug “Carpe Diem” die Innenseite seines Oberarms. Das Tattoo entspricht seinem Lebensmotto, positiv durch das Leben zu gehen, sagt er.  Außerdem ist  für Jelte ein Tattoo Körperkunst und dient zur Körperverschönerung und gleichzeitig zur  Bestätigung  des eigenen und subjektiven Empfinden von Ästhetik. “Es sieht halt einfach heiß aus”, stellt er fest und grinst dabei schlitzohrig.

Körperverschandlung!?

Mitlerweile finden auch Jeltes Eltern, dass sein Tattoo zu ihm passt. Anfangs hatten sie die fast schon obligatorischen Elterneinwände, ein Tattoo sei Körperverschandlung und für die Ewigkeit. Ob er sich das gut überlegt habe, wollten sie wissen. Und das hat er.  Heute ist er so zufrieden mit seinem Tattoo, dass er sich schon bald ein neues stechen lassen will.

50/50

Auch sein künftiges Tattoo hat eine besondere Bedeutung für Jelte und soll gleichzeitig als dauerhafter Körperschmuck dienen. Auf die Frage, ob er beiden Aspekten eine Gewichtung geben könne, antwortet er, dass beide Ideen zu jeweils fünfzig Prozent in seine Tätowierung eingehen. Die fünfzig-fünfzig-Mischung aus Bedeutung und körperzierender Funktion ist für Jelte das perfekte Tattoo.

Black Jack und Pin-Ups

Sein nächstes Tattoo-Motiv soll eine “heiße Olle” im Pin-Up-Stil mit Spielkarten in der Hand sein, sagt er mir mit einem Augenzwinkern. Ernsthafter gibt er dann zu, dass diese beiden Dinge, die Frauen und das Glücksspiel, seine größten Schwächen sind. Gemäß seines ganz persönlichen Gusto soll die Frau brünett und natürlich “megascharf” werden. Bleibt ihm nur zu wünschen, dass auch das Tattoo megascharf wird.

No-Go´s

“Chinesische Schriftzeichen gehen gar nicht”, sagt er. Genau so entschieden ist er ein Gegner von Tribals und Arschgeweihen. Ganz besonders gerne mag er auch Tiertatzen als Tattoo-Motiv. Jelte offenbart sich somit als Trend-Hasser und unterstreicht damit noch einmal die Idee der persönlichen Note, die ein Tattoo in seinen Augen haben sollte. Den Vorwurf, der Schriftzug “Carpe Diem” sei ebenfalls gefährdet, eine Modeerscheinung zu werden, tut er achselzuckend ab. Das wäre ihm egal,  solange er sich in diesem Motto wiederfindet und es lebt.

11
Jan
10

Körperkunst und Schnapsideen

Über Körperschmuck und Gesamtkonzepte…

Nicole hat drei Tätowierungen. Rücken, Oberarm und der Bereich hinterm Ohr sind durch Tattoos geschmückt. Ihr Lieblingstattoo ist das auf ihrem linken Oberarm. Eine Krone und eine große Rose sind die Hauptmotive. Weitere Blüten sowie Leopardenflecken komplettieren das Tattoo. Bis jetzt. “Es soll noch größer werden”, sagt Nicole. Sowohl auf der Schulter sowie auf dem Unterarm sollen irgendwann weitere Leopardenflecken und Blüten ihren Körper verschönern. Die Idee der ästhetischen Körperkunst ist es auch, die Nicole zu ihrem Tattoo veranlasst hat. Genau so wie Armreifen, Ketten oder Ringe sind in ihren Augen auch Tattoos zum schmücken da. Körperschmuck halt. Eine tiefgründige Bedeutung haben weder Krone noch Rosen. Dies oberflächlich zu nennen ist zu schnell geurteilt, denn durch ihr Tätowierung lebt und unterstreicht sie ihren Stil. Das Gesamtkonzept muss stimmen,  findet sie. Und bei ihr stimmt es.


“Ich war schon froh, als es fertig war.”

 Ein dreiviertel Jahr hat es gedauert, bis das Tattoo auf Nicoles Oberarm so aussah, wie es heute aussieht. Erst wurden die Außenlinien von Krone und Blüten gestochen, mit der Zeit kamen dann Farben und das Wildkatzenmuster dazu. Im Gegensatz zu ihren anderen Tattoos war dieses mit Abstand das schmerzhafteste. Besonders das Stechen im Schulterbereich, sagt sie, war extrem unangenehm. “Ich war schon froh, als es fertig war”, gibt sie zu. Vorerst jedenfalls, denn neben Zeit und Schmerzen hat Nicole vor allem eines investiert: eine nette Stange Geld. 650 Euro muss man ja auch ertsmal auf der hohen Kante haben, und so weiß Nicole auch noch nicht genau, wann Unterarm und Schulter noch weiter verziert werden.

…und wenn du mal alt bist, dann hängt alles

Auch Nicole musste sich natürlich mit ihrer Umwelt auseinandersetzten, als für sie feststand, mit einem relativ großen Tattoo ihren Körper zu verzieren. Das abgelutschte “wenn-du-mal-alt-bist-Argument”  kennt auch sie. Noch ist sie jedoch jung und bekommt vor allem positive Reaktionen auf  ihr Tattoo. “Wem es nicht gefällt, der hält sich eher zurück”, hat sie festgestellt. Generell scheint sie sehr zufrieden und glücklich über ihre Entscheidung.  Das Tattoo als Teil von ihr, der ihr Empfinden von Ästhetik und Schönheit ausdrückt, ist authentisch und gelungen.

Nachtrag: über eine Schnapsidee

Ein weiteres Tattoo in Form eines Notenschlüssels trägt Nicole hinterm Ohr. Er symbolisiert ihre Liebe und Verbundenheit zur Musik und in gewissermaßen auch ihre Lust am Leben und Feiern: Der Notenschlüssel ist nämlich im wahrsten Sinne des Wortes eine Schnapsidee. Im Urlaub ging sie mit einem guten Freund in einer Partynacht den Pakt ein, sich noch vor Ende des Urlaubs zu tätowieren. Beide hielten sich daran und Nicole beweist, dass aus einer Schnapsidee durchaus auch etwas sinnvolles entstehen kann.

10
Jan
10

Frankfurt trifft auf Südsee

Die Internationale Tattoo-Convention in Frankfurt/Main zählt mitunter zu den größten Tattoo-Conventions in Europa und findet dieses Jahr vom 05.03-07.03.2010 zum 18. mal statt.

Nach den letztjährigen Motto “Thailand”,  reist die Convention gedanklich nun weiter und findet unter den Thema “Polynesien/Südsee” statt. Erwartet werden weit über 400 Tätowierer aus über 20 Nationen, die live ihre Arbeit vor Publikum präsentieren.

Für den Eintrittspreis von 17,50 Euro bekommt man nicht nur hohe Tattookunst geboten, sondern auch diverse Live-Bands und im diesem Jahr traditionelle “Bora-Bora”  Tänze, die das polynesische Flair direkt auf das Frankfurter Messegelände verbreiten sollen.

Wie jedes Jahr werden auch verschiedene Stars der Tattooszene auf der Messe erscheinen um Autogrammwünsche zu erfüllen oder ihr Können zu präsentieren.

(Quelle : convention-frankfurt.de)

10
Jan
10

Glück mal auf chinesisch

“Pures Glück!” Das sagt sich so leicht, doch leider lässt sich Glück nicht einfach wie die Brötchen morgens beim Bäcker oder wie einen Artikel bei Ebay besorgen. Irene W. hat wahrscheinlich ein kleines bischen mehr Glück als andere von uns. Sie hat sich das Glück gleich für die Ewigkeit einbrennen lassen. Das kleine chinesische Schriftzeichen drückt ihr ganz persönliches Glück aus, und das ist ihre Familie. Obwohl diese nicht mehr vollständig ist, ist sie froh über jedes einzelne ihrer Familienmitglieder, auch über die neuen. Sie nimmt den frühen Tod ihrer Mutter nicht zum Anlass sich in ewige Trauer zu stürzen, sondern empfindet die kurze Zeit, die sie mit ihr hatte als wahres Glück. Glück das nie wieder kommen wird, aber das ihr auch keiner wieder nehmen kann. Wie ihre Tattowierung!
"Glück" auf chinesisch
Schon im Alter von 12 Jahren spielte sie mit dem Gedanken sich irgendwann ein Tattoo stechen zu lassen und dieser ließ sich auch nach zehn Jahren nicht verdrängen. Vor ein paar Jahren dann wurde der Wunsch immer größer und das Motiv immer konkreter. Um zu vermeiden später verhöhnt zu werden, weil das falsche auf ihrem Köper stand, setzte sie sich lange mit Schriftzeichen auseinander. Was dann noch fehlte war das richtige Tattoostudio und eine kleine Portion Durchhaltewillen, denn schmerzhaft würde es werden egal wie groß oder klein das Tattoo ist. Aber das weiß man ja vorher und nimmt es in Kauf, ähnlich wie bei der Geburt eines Kindes, sagt sie lachend.
Ihr Vater war weniger geschockt oder entsetzt darüber, sondern vielmehr überrascht ,dass sie es tatsächlich durchgezogen hatte und übernahm sogar einen Teil der Gesamtkosten von 75 Euro.

Auf die Frage ob sie noch ein zweites Tattoo machen lassen möchte, antortet Irene sofort mit einem heftgen Nicken. Ein weiteres chinesisches Zeichen für “Liebe” soll es werden und der Platz dafür ist auch schon reserviert: Natürlich soll sich die Liebe zu dem Glück gesellen.




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